Diözesane Räte

im Bistum Regensburg

Festakt am 24.10.2008

Vor 40 Jahren wählten die Katholiken im Bistum Regensburg erstmals die Pfarrgemeinderäte in ihren Gemeinden. Aus diesem Anlass feierte Bischof Gerhard Ludwig Müller mit mehreren Hundert Laien im Regensburger Dom St. Peter eine Pontifikalmesse und ehrte in einem anschließenden Festakt im Kolpinghaus 39 Frauen und Männer, die sich seit Gründung der Pfarrgemeinde bis heute für ihre Pfarrei engagiert haben, mit der Johann-Michael-von-Sailer-Medaille.

In seiner Predigt betonte Bischof Gerhard Ludwig Müller, dass durch das Zweite Vatikanische Konzil alle getauften und gefirmten Christen bestärkt wurden, ihren Anteil am Sendungsauftrag der Kirche einzubringen. Die besondere Rolle der Laien bestünde darin, in die Gesellschaft aus dem Geist des Glaubens hineinzuwirken, um so am Aufbau des Reiches Christi mitzuwirken. Der Mensch sei hineingestellt in vielfältige Lebensbereiche, wie Familie, Schule oder berufliches Umfeld in denen er Zeugnis für den Glauben und die Kirche geben könne, erklärte der Regensburger Oberhirte weiter.

In Vertretung für Philip Graf von und zu Lerchenfeld, Vorsitzender des Diözesankomitees, sprach Michael Meier als stellvertretender Vorsitzender dem Bischof seinen Dank aus, für die vertrauensvolle Unterstützung der Arbeit der Laiengremien im Bistum Regensburg.

Bei der Ehrung von 39 Frauen und Männern aus dem Bistum würdigte der Regensburger Bischof die „segensreiche Arbeit“ der Pfarrgemeinderäte für die Kirche und sprach allen Mitgliedern in den Pfarrgemeinderäten „ein herzliches Vergelt´s Gott“ für ihre Mithilfe aus. „Das ehrenamtliche Engagement der Pfarrgemeinderäte, die als wichtiges Beratungsgremium vor Ort den Priester als Leiter der Gemeinde unterstützten, sei nicht hoch genug einzuschätzen“. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit überreichte Bischof Gerhard Ludwig Müller den engagierten Pfarrgemeinderäten, die seit deren Einrichtung ununterbrochen zum Wohle der Kirche mitgearbeitet haben, die Bischof Johann Michael Sailer Medaille.

In seinem Vortrag "Zeugen gesucht! Glaubensvermittlung und missionarische Seelsorge: zentrale Aufgabe und
Herausforderung künftiger Gemeindepastoral" erklärte der Festredner Pater Hubert Lenz, angesichts der säkularen Situation unserer Zeit könne und dürfe man sich nicht mit dem allmählichen Verschwinden Gottes aus dem heutigen Bewusstsein und Leben abfinden. „Wir brauchen uns nicht damit abzufinden, dass Kirche für immer mehr Menschen nur noch als ein Kulturgut präsent ist, das wohl noch in manchen Lebenssituationen gesucht und genutzt wird, wobei aber Gott als ihr eigentlicher Grund und ihre lebendige Mitte immer weniger Lebensrelevanz besitzt.“

In den kirchlichen Texten zur Erwachsenenkatechese sei in den vergangenen Jahrzehnten eine „kopernikanische Wende in der Katechese“ vollzogen worden – ein Perspektivwechsel von der Glaubensweitergabe durch die Sozialisation hin zum Vorrang der Erwachsenenkatechese. Immer deutlicher werde gesagt, dass der Schwerpunkt der Katechese nicht bei den Kindern, sondern bei den Erwachsenen liegen müsse. Alle Kinder- und Jugendkatechese solle auf das erwachsene Ja-Wort zum Glauben hinführen.

Angesichts der Tatsache, dass die Sehnsucht nach Gott und eine lebendige Verbundenheit mit Gott für den Taufwunsch vieler Eltern keine bedeutende Rolle mehr spielt, gelte es, der Botschaft Gottes ein Gesicht zu geben. Die Kirche sei vorrangig nicht eine Institution, sondern das Zelt Gottes unter den Menschen und die Einladung zur Gottsuche. Die Not des fehlenden Austauschs über die Grundaussagen und Grunderfahrungen des Glaubens, die in diesem Zusammenhang erkannt werden müsse, bringe eine Herausforderung und eine Chance mit sich, sagte Pater Lenz weiter. „Katechese kann ermutigen, das ABC des eigenen Glaubens neu buchstabieren zu lernen, die Grundbotschaft des biblischen Glaubens (wieder) zu entdecken und mit anderen zu teilen.“ Dies sei eine wichtige Voraussetzung, um ein wichtiges Ziel von Katechese zu erreichen: die Bekräftigung des Taufbekenntnisses als Erwachsener.

Das Bläsersensemble „Tritonus Brass“ umrahmte die Veranstaltung musikalisch.

Interview mit dem Geschäftsführer der Diözesanen Räte, Manfred Fürnrohr, über die Entstehungsgeschichte der Pfarrgemeinderäte aus der Katholischen Aktion sowie die Bedeutung der Rätereform für die Gegenwart (erschienen in der Kath. Sonntagszeitung für das Bistum Regensburg, 25./26.10.2008)
2. Teil des Interviews